#autor_innensonntag, Allgemein, Münchner Schreiberlinge

#autor_innensonntag – Schriftstellerei als Beruf?

Morgen ist „Equal Pay Day“, der sich der gleichberechtigten Bezahlung von Männern und Frauen widmet (von Personen außerhalb dieser Binarität mal gar nicht zu reden). Von einer Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt und so widmet sich der heutige #Autor_innensonntag dem nicht minder schwierigen Thema „Schreiben als Beruf“.

Wikipedia sagt zur Definition des Berufes: „Ein Beruf ist die systematisch erlernte, spezialisierte, meistens mit einem Qualifikationsnachweis versehene, dauerhaft und gegen Entgelt ausgeübte Betätigung eines Menschen.“
(https://de.wikipedia.org/wiki/Beruf)

Ich schreibe, ich veröffentliche, ich bekomme Geld dafür, also übe ich die Schriftstellerei als Beruf aus (habs ja auch ganz brav als Nebentätigkeit angemeldet) – so weit, so gut.

Könnte ich davon über die Runden kommen? Eine ganz andere Frage, die ich definitiv mit „Nein“ beantworten muss.

Könnte ich vom Schreiben leben? Vielleicht, aber dann müsste ich die ganze Sache anders aufziehen, mehr publikumsaffine Bücher schreiben, mich der Schreiberei Vollzeit widmen, aber selbst dann wäre es schwierig.

Habt ihr mal überlegt, wie viel Zeit eigentlich von Autor*innenseite in das Schreiben eines Buches fließt? Habt ihr das mal auf einen Mindestlohn umgerechnet? Dann die zusätzliche Arbeit von Lektorat, Korrektorat, Cover, Buchsatz, Druck. Würden wir Bücher nach Arbeitsstunden abrechnen, wären sie unbezahlbar. Und genau da liegt doch das Problem. Ja, es tut mir leid, das so zu sagen, aber Bücher sind viel zu billig – wenn man von unserem aktuellen kapitalistischen System ausgeht. Und wenn man sich dann noch anschaut, dass es Buchaktionen (gerade im E-Book-Berreich) gibt, wo Werke für Cent-Beträge verramscht werden, bzw. oftmals nur für geringe Beträge gekauft werden, dann wird schnell klar, dass hier irgendwas auf dem Markt nicht stimmen kann. Gerechte Bezahlung? Davon sind wir noch weit entfernt.

Liebe ich das Bücherschreiben? Ja, definitiv! Würde ich gerne noch mehr Zeit in das Schreiben stecken? Auch hier, ein klares Ja. Kann ich es mir derzeit leisten? In einer Stadt wie München? So dreckig kann ich gar nicht lachen. Definitiv nein. Das, was wir lieben und das, was wir brauchen um über die Runden zu kommen, stehen in einem eklatanten Gegensatz. Gerade in Zeiten wie diesen brauchen wir aber Kunst und Kultur, wir brauchen auch kritische Stimmen, wir brauchen Bücher, die nicht mal eben hingerotzt sind, sondern die sorgfältig und mit genügend Zeit geschaffen werden.

Vielleicht ist es doch an der Zeit, dass wir unser aktuelles System hinterfragen. Vielleicht könnte man den Druck aus der ganzen Sache herausnehmen, mit einem bedingungslosen Grundeinkommen. Für alle. Equal Pay, ihr erinnert euch? So wäre eine Grundversorgung gesichert und ich glaube nicht, dass dann plötzlich alle das arbeiten einstellen und nur noch auf der faulen Haut liegen. Das entspricht nicht der menschlichen Natur. Es wäre eine Möglichkeit, Freiheit zu haben, sich entfalten zu können. Zu träumen und Kunst zu schaffen. Wir sollten damit anfangen.


Falls ihr auch ein wenig von einer positiven Zukunft träumen wollt: Noch bis zum 31. März läuft die aktuelle Anthologie-Ausschreibung der Münchner Schreiberlinge zum Thema Solarpunk: Ausschreibung „Sonnenseiten“

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