#autor_innensonntag

#autor_innensonntag – Der Brotjob – Bereicherung fürs Autor:innenleben?

Brotjob vs. Autor:innenleben heute bei Justine Pust im Autor_innensonntag.

Als ich beschloss, Ägyptologie zu studieren, haben meine Eltern die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Still und heimlich – sie haben mich nämlich machen lassen und meine Entscheidungen respektiert und nicht in Frage gestellt. Dass sie etwas entsetzt waren, haben sie mir erst viel später gestanden. Dazu muss ich sagen, dass ich nach dem Abi zunächst vorhatte Ökolandbau zu studieren, dazu ein Jahr ein Praktikum auf einem Bauernhof gemacht habe (mit Abschlussprüfung!) und drei Semester studiert habe, bevor ich beschloss, dass das doch nichts für mich ist. Bauer sucht Frau? Ich hatte das live und keinen Hof in der Familie. Aber ich kann Trecker fahren, habe Kühen auf die Welt geholfen, einen LKW-Führerschein gemacht und bin zertifizierte Kuh-Hufpflegerin. Für mich als Stadtkind Erfahrungen, von denen ich heute noch zehre. Wenn man erstmal knietief in Kuhscheiße gestanden (oder mit dem Arm bis zur Schulter in einer Kuh gesteckt) hat, kann einem nicht mehr so viel etwas anhaben.

Ja, nun habe ich nach diesen zweieinhalb Jahren das Fach gewechselt. Ökolandbau zu Ägyptologie. Die Berufschanchen wurden damit nicht besser, aber die Sterne standen günstig. Mir war relativ schnell klar, dass ich ins Museum möchte und nach meinem Magisterabschluss ergab sich die Chance, ein Museums-Volontariat am Ägyptischen Museum München zu absolvieren. Das war am 1.1.2005. Siebzehn Jahre später bin ich immer noch dort, und stecke inzwischen knietief … im alten Ägypten.

Blick in den Raum Kunst und Form des Ägyptischen Museums München. Linkerhand dreieckige Pfeiler aus Beton. Rechts führt eine Treppe auf die Ausstellungsebene. Dort stehen altägyptische Statuen in Glasvitrinen und auf Sockeln.

Ist das eine Bereicherung fürs Autor:innenleben? Das fragt ihr noch? So laut kann ich gar nicht „JA!“ schreien. München und das historische Museumsmilieu haben mich zu den Herren des Schakals inspiriert. Mit unserer Museumsbibliothek oder auch der des Instituts für Ägyptologie eine Straßenecke weiter stehen mir alle Recherche-Möglichkeiten offen.

Schlag ich ein Buch auf, springt mir ein Plotbunny entgegen. Stelle ich den nächsten Vortrag zusammen oder bereite mich auf eine Führung vor, habe ich Ideen, die ich in Geschichten verarbeiten kann. Fachlich gesehen und auch von all den Erfahrungen, die ich im Museumsleben gesammelt habe, ist dieser Beruf die beste Bereicherung, die man sich vorstellen kann. Und so gehen Brotjob und Autor:innenleben Hand in Hand in eine vielversprechende Zukunft!

Achso, meine Eltern haben sich inzwischen übrigens auch mit der Ägyptologie abgefunden. Und sind größte Fan meines Autor:innenlebens.

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