Allgemein

Über Sternchen * in der Sprache

Auf Instagram habe ich gerade eine kleine Info-Serie laufen, u.a. zu gendergerechter Sprache. Weil auf Instagram der Platz begrenzt ist, hier nochmal in ausführlich.

* Was ist der Genderstern?
Neben dem _ und dem : bietet der Genderstern eine Möglichkeit zur gendersensiblen Ausdrucksweise. Damit werden auch Menschen angesprochen, die sich nicht (ausschließlich) dem männlichen oder weiblichen Spektrum zuordnen – so wie ich. „Liebe Autorinnen und Autoren“ trifft es eben nicht ganz. „Liebe Autor*innen“ zeigt, dass es da eben noch mehr Vielfalt als m/w gibt. Im übrigen „gendert“ man nicht mit dem Sternchen – man macht das genaue Gegenteil: man „entgendert“.

* Wie spreche ich das jetzt aus?
Mit einem Glottisschlag. Nie gehört? Verwenden wir aber ständig in der Sprache. Ein Glottisschlag ist ein kleiner Stimmabsatz, so wie er zum Beispiel in den Worten „Spiegelei“ (Spiegel*ei) oder „Theater“ (The*ater) genutzt wird. Total spannend, dass man sich in solchen Fällen erst darüber Gedanken macht, WIE man eigentlich spricht!
(Nebenbemerkung: andere Sprachen haben durchaus Schriftzeichen für diesen Glottisschlag, das Altägyptische zum Beispiel. Man kann also nicht sagen, dass das ja eine total neue Erfindung ist …)

* Muss ich jetzt alles mit Sternchen schreiben?
Müssen muss man gar nichts, aber ich freue mich über jeden Stimmabsatz und über jedes Sternchen, Macht die Lesbarkeit im übrigen nicht schwerer, ist einfach eine Sache der Gewohnheit und auch im Sprechen gewöhnt man sich das total schnell an. Und ich merke, wenn man Menschen wie mich mitdenkt. Oder auch nicht.

* Aber haben Bayern und Hessen nicht das Gendern verboten?
So ging es zumindest durch die Medien. Große Aufregung. Viel heiße Luft um nichts. Denn schauen wir uns das doch mal genau an, was Bayern da gemacht hat:

In der Kabinettssitzung vom 19. März hat der Ministerrat die Allgemeine Geschäftsordnung für Behörden des Freistaats geändert.
§ 22 (5) sagt nun: „Im dienstlichen Schriftverkehr und in der Normsprache wenden die Behörden die Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung an. Mehrgeschlechtliche Schreibweisen durch Wortbinnenzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt, Gender-Gap oder Mediopunkt sind unzulässig.“ (AGO § 22,5)

Mehr ist es nicht. Es betrifft also wirklich nur die offizielle und amtliche Korrespondenz der bayerischen Behörden und daraus jetzt einen solchen Aufreger zu machen, oder sich das als bayerische Landesregierung als unglaubliche Leistung auf die Fahnen zu schreiben, ist lachhaft.

Wir können alle weiter mit Gendergap sprechen oder mit Sternchen usw. schreiben. Und es hindert auch niemanden, in der offiziellen Kommunikation einer Behörde weiter mit Partizipformen zu schreiben wie „Mitarbeitende“ oder „Besuchende“. Das ist allen weiterhin freigestellt. Und auch in den Universitäten gilt die Freiheit von Forschung und Lehre.

Übrigens noch ein Irrtum. Oft hört man: „Aber auch der Rat für deutsche Rechtschreibung untersagt das!“
Liebe Leute, der Rat beobachtet Sprache und Schrift (übrigens genau wie der Duden) und dokumentiert Entwicklungen. Er gibt Empfehlungen, aber untersagen tut der gar nix. Im Gegenteil, in einer Pressemitteilung heißt es: „Der Rat für deutsche Rechtschreibung wird die weitere Schreibentwicklung beobachten, denn geschlechtergerechte Schreibung ist aufgrund des gesellschaftlichen Wandels und der Schreibentwicklung noch im Fluss.“ (PM vom 15.12.2023)

Und damit sind wir bei des Pudels Kern: Schrift und Sprache wandeln sich, passen sich an, verändern sich. Das ist eine Entwicklung, die man nicht aufhalten kann. Wir heute sprechen anders als unsere Eltern oder gar Großeltern. Mit Verboten in Schrift und Sprache kommen wir nicht weiter. Und übrigens auch nicht, wenn man sagt: „Aber das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Gleichstellung erreicht man doch nicht, nur dadurch, dass man einen Stern ins Wort packt.“

Das ist klassisches Derailing – die Diskussion in eine andere Richtung lenken. Denn natürlich ändert sich etwas, wenn ich Sternchen und Gap benutze, oder es gerade nicht tue. Es hat etwas mit der Auseinandersetzung mit dem Thema zu tun und vor allem mit der Anerkennung einer Vielfalt von Geschlechtern, die über das klassische männlich-weiblich hinausgehen. Um Gleichstellung oder so geht es doch erstmal gar nicht. Das ist eine vollkommen andere Baustelle.

Ein letztes noch. Überall (und vor allem bei den Gegnern des Genderns) hieß es immer: „Werden wir denn jetzt alle gezwungen, den Genderstern zu nutzen?“ Und jetzt lehnen wir uns nochmal ganz entspannt zurück und überlegen, wer hier eigentlich mit Verboten und Gesetzen arbeitet, ne?